Bachelor gesucht

Die großen Strategieberatungen bieten inzwischen spezielle Einstiegsprogramme für Bachelor-Absolventen an. Meist gibt es jedoch nur einen befristeten Vertrag. Wer bleiben will, muss noch einen Master-Abschluss draufsatteln. "Wir haben sehr positive Erfahrungen gemacht. Die Bachelor sind gut ausgebildet und motiviert", sagt Per Breuer, Global HR Manager bei Roland Berger Strategy Consultants. Die Beratungsfirma war eine der ersten, die 2004 ein spezielles Programm für Absolventen der neuen Studiengänge anbot.

Inzwischen haben etwa 35 ihren Einstieg als "Consulting Analyst" bereits hinter sich. Die Strategieberatungen gehören zu den Vorreitern, die sich auf das neue zweistufige Studiensystem mit den Abschlüssen Bachelor und Master eingestellt haben. Bis 2010 soll das neue System in 29 Ländern umgesetzt sein. Derzeit führen bereits 61 Prozent aller Studiengänge an deutschen Hochschulen zu den neuen Abschlüssen und im vergangenen Wintersemester schrieb sich fast jeder zweite Studienanfänger in einen Bachelor-Studiengang ein. Allerdings ist der Anteil der Bachelor- und Master-Absolventen mit elf Prozent noch relativ niedrig.

Der Einstieg ins Consulting ist jedoch in der Regel nur befristet. Erst wer danach ein Master-Studium - vorzugsweise mit einem Abschluss zum Master of Business Administration (MBA) an einer der internationalen Topschulen - absolviert hat, bekommt einen unbefristeten Vertrag.
"Man sollte die akademische Ausbildung schon fortsetzen", sagt Roland-Berger-Personalmanager Breuer. Ein Master-Abschluss erhöhe die berufliche Aufstiegsmöglichkeit enorm. Dabei könnten sich die Kandidaten sowohl für einen Master of Science zur fachlichen Vertiefung, als auch für einen MBA zur Ausbildung in allgemeiner Unternehmensführung entscheiden. Sowohl bei der Auswahl des geeigneten Programms, als auch bei der Bewerbung werden die Junior-Berater von der Beratung unterstützt. Im Einzelfall werden auch die Studiengebühren übernommen.

Ähnlich läuft es bei der Boston Consulting Group. Auch hier gilt: Wer länger bleiben will, muss den Master-Abschluss machen. War das Einstiegsprogramm für die "Junior Associates" bisher auf zwei Jahre begrenzt, so können die Bachelor-Absolventen seit Kurzem noch weiter für maximal ein Jahr als "Associates" übernommen werden. Grund für die Änderung: Gute MBA-Schulen verlangen mindestens drei Jahre Berufserfahrung.
Auch bei Booz Allen Hamilton kann man das ursprünglich auf ein Jahr befristete Programm "Master Your Career" mittlerweile verlängern. Wer gut ist, bekommt bereits vor dem Master-Studium ein Vertragsangebot. Bei McKinsey gibt es noch eine Zwischenstufe. Nur wer sich in dem einjährigen Junior-Fellow-Programm bewährt, kann ins zweijährige Fellow-Programm wechseln und danach seinen MBA erwerben. Dabei übernimmt McKinsey "gegebenenfalls" bis zu 50 Prozent der Studiengebühren.

Unisono betonen die Beratungen, dass sie gern mehr Bachelor-Absolventen rekrutieren würden. 80 bis 100 Berater wolle man im nächsten Jahr einstellen. Davon sollten mindestens zehn Bachelor sein, erklärt Imeyen Ebong, der für Recruiting verantwortliche Partner bei Bain & Company. Dort steigen sie als Junior Associate ein, führen vor allem Datenerhebungen durch, analysieren die Daten und bereiten die Ergebnisse auf, immer in Zusammenarbeit mit erfahrenen Beratern. "Wir wollen so viele Bachelor wie möglich einstellen", betont auch Miriam Kraneis von Booz Allen Hamilton. Doch bei den Absolventen herrsche noch Zurückhaltung. "Viele sind verunsichert, was sie nach dem Studium tun sollen und machen danach erst noch ein Praktikum, weil sie sich nicht so früh festlegen wollen", beobachtet die Recruiting-Managerin für Deutschland.

Das bestätigt auch Christian von Tschirschky, Leiter des Recruitings für Zentraleuropa bei A.T.Kearney: "Viele bewerben sich auf Praktikumsplätze, obwohl einige davon auch direkt einsteigen könnten." Derzeit sei noch offen, ob die für die führenden Consulting-Firmen interessante Zielgruppe - die fünf bis zehn Prozent Besten eines Jahrgangs - nach dem Bachelor in den Job einsteigt oder nach einem Praktikum gleich einen Master anschließt. Erste Studien sprechen für Letzteres. Bei A.T.Kearney ist das Master-Studium - im Gegensatz zu den Mitbewerbern - keine Pflicht. "Bei uns gibt es von Anfang einen unbegrenzten Arbeitsvertrag", erklärt von Tschirschky. "Wer gut ist, kann auch mit dem Bachelor-Abschluss Karriere machen."
 
Von Bärbel Schwertfeger