BA-Studiengänge: Ausbildung am Arbeitsmarkt vorbei?!

An vielen Hochschulen erwerben Bachelor-Studenten ausschließlich Fachkenntnisse. Studieninhalte, die ihre Beschäftigungsfähigkeit verbessern, werden hingegen kaum berücksichtigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Arbeitskreises Personalmarketing (DAPM) in Hanau.

Schrittmacher in puncto Kompetenzen, die auf dem Arbeitsmarkt auf absehbare Zeit gesucht werden, sind Absolventen von Fachhochschulen. Universitäten, die Bachelor-Studiengänge anbieten, fallen dahinter zurück. Wie der DAPM gemeinsam mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) bei der Untersuchung von insgesamt 550 Bachelor-Studiengängen in Deutschland ermittelte, führen das Feld in betriebswirtschaftlichen Studiengängen die International School of Management in Dortmund, die Fachhochschulen Furtwangen, Heilbronn und Mainz sowie die Munich Business School an. Als beste Universitäten folgen Bamberg und Paderborn mit einigem Abstand.

Bei technischen Bachelor-Studiengängen dominieren ebenfalls die Fachhochschulen. In die Spitzengruppe, die von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen angeführt wird, zogen auch die Universitäten Siegen und Münster ein. So erzielte der Siegener Studiengang Maschinenbau sowie die Wirtschaftsinformatik in Münster ebenfalls die Höchstnoten von maximal fünf Sternen. Neben Studiengängen wie Betriebswirtschaft, Bauingenieurwesen, Maschinenbau/Verfahrenstechnik, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen wurden erstmalig auch Informatikstudiengänge bewertet.

Kritiker bemängeln, dass vor allem an Universitäten die Umstellung von Diplom- und Magisterstudiengängen auf die neuen Bachelor-Abschlüsse an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes vorbeigehen und die Ausbildung weniger gut ist als an Fachhochschulen. Statt Schlüsselqualifikationen würden leider vorrangig fachliche Kenntnisse vermittelt werden. Soziale Kompetenzen sowie Methoden- und Sprachkenntnisse kämen zu kurz. Mit dem zum wiederholten Male aufgelegten Rating wollen DAPM und CHE das Leistungsspektrum der Hochschulen in voller Gänze darstellen, um angehenden Studenten und Unternehmen eine umfassende Studiengang-Bewertung zu ermöglichen.

Insgesamt konnten die Studiengänge in der vergleichenden Bewertung bis zu fünf Sterne erreichen. Unter den 31 Studiengängen, die ein maximales Ergebnis erzielten, befinden sich 13 BWL-Studiengänge. Erste Adresse für ein Studium, das berufspraktische Anforderungen verstärkt ins Curriculum integriert und Schlüsselqualifikationen eine hohe Priorität einräumt, sind die Hochschule Ulm und die International School of Management Dortmund mit jeweils vier Studiengängen. Darauf folgen die Hochschulen Reutlingen und Albstadt-Sigmaringen, die jeweils dreimal die maximale Punktzahl einheimsten. Zu den Schlusslichtern des umfassenden Rankings zählen der Studiengang Informatik der Universität Saarbrücken sowie der Studiengang Wirtschaftswissenschaften der Universität Hannover. Sie erhielten lediglich einen von maximal fünf zu vergebenden Sternen.
 
Von Winfried Gertz