Auto-Absatzkrise: Daimler-Personalvorstand beruhigt Mitarbeiter

Wir haben alles im Griff - auf diesen Nenner bringt Günther Fleig, Arbeitsdirektor der Daimler AG, die gegenwärtige Absatzkrise in der Automobilindustrie. Mitarbeiter des schwäbischen Autobauers sollten sich keine Sorgen machen. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht vorgesehen, verspricht der Personalvorstand.

Fleig, dessen Vertrag Anfang April ausläuft und der vom derzeitigen Chef der Transporter-Sparte, Wilfried Porth, abgelöst wird, sagte unlängst auf einem von der Verlagsgruppe Haufe ausgerichteten Arbeitgebertag, Daimler sei von der Krise "ziemlich überrascht worden". Vor allem mit dem Tempo und der Tiefe, wie der Konzern in den Abwärtsstrudel hineingezogen wurde, habe man nicht rechnen können.

Kündigungen sind kein Thema
Dennoch behielt das Unternehmen das Heft in der Hand und reagierte mit Augenmaß, so Fleig. Weil immer weniger Kunden sich zum Kauf eines Fabrikats mit dem Stern auf der Motorhaube entschlossen, habe es zunächst in der Produktion Veränderungen gegeben. Darauf sei der Konzern mit seinem personalwirtschaftlichen Instrumentarium gut vorbereitet, erklärte Fleig. So wurden Arbeitszeitenkonten in Anspruch genommen und ihr Budget sogar überzogen. Zudem wurde die Weihnachtspause verlängert.

Je nachdem, wie sich die Nachfragesituation in 2009 entwickeln werde, seien weitere Maßnahmen geplant. Genau wollte sich Fleig auf Nachfrage nicht festlegen. Zumindest seien betriebsbedingte Kündigungen weiterhin ausgeschlossen, versicherte der Arbeitsdirektor. Sollte die Absatzkurve weiter nach unten zeigen, stünden zunächst Arbeitszeitverkürzungen auf dem Plan.

Nicht bei der Weiterbildung sparen
Umgekehrt bleibt Daimler auch in der Krise seiner Personalstrategie treu. "Jede Krise ist irgendwann vorbei", sagte Fleig. "Wir müssen uns auch in schlechten Zeiten um Fortschritte in der Automobilentwicklung kümmern." Deshalb werde auch weiterhin eingestellt: Nach wie vor gesucht seien Ingenieure, IT-Spezialisten sowie Facharbeiter. Angesichts des demografischen Wandels suche das Unternehmen vor allem jüngere Mitarbeiter. Dies sei ein zentraler Schwerpunkt des Personalmarketings, weshalb auch die Kooperation mit Hochschulen intensiviert werden müsse. "Wir wollen die künftigen Absolventen möglichst früh kennen lernen und unsere Karriereprogramme auf diese Zielgruppe ausrichten."

Kein Verständnis zeigt Fleig für Unternehmen, die in der Krise den Rotstift bei Weiterbildungsbudgets ansetzen. "Das haben wir früher ebenfalls gemacht, es ist aber ein denkbar schlechter Ansatz", warnt der scheidende HR-Experte. Unternehmen sollten vielmehr ihre Personalstrategien konsequent weiterverfolgen und nicht an der Personalentwicklung sparen, sagte der amtierende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP).
 
Von Max Leonberg