Auszeit richtig vorbereiten

Einfach mal raus aus dem Alltagstrott ... Viele träumen von einem Sabbatical, der drei- bis zwölfmonatigen Pause vom Job. Doch die wenigsten wagen tatsächlich den Schritt. Mit einer guten Vorbereitung ist es jedoch einfacher als gedacht.

Ein Jahr auf Weltreise gehen, mit Mönchen im Kloster leben - das sind die gängigen Bilder, die man von einem Sabbat-Jahr hat. Die meisten, die sich eine Auszeit gönnen, nutzen die Zeit jedoch für viel profanere Dinge: ein Haus bauen, sich weiterbilden, einen Angehörigen pflegen. Das sind laut Elke Pohl, Autorin des Ratgebers "Sabbatical - so gewinnen alle", die häufigsten Gründe für die Pause vom Job. Ausgebrannt sind die wenigsten, so Pohl. Experten schätzen, dass gerade einmal rund drei Prozent aller Angestellten eine längere Auszeit nehmen - obwohl sich mehr als ein Drittel wünscht, einmal für längere Zeit den Alltag hinter sich zu lassen. In Deutschland ist ein Sabbatical noch eine große Ausnahme und bei den meisten Unternehmen nicht vorgesehen, meint Elke Pohl. "Daher ist für die Vorbereitung viel Eigeninitiative erforderlich."

Vorteile eines Sabbaticals
Zum einen muss man sich klarmachen, dass man keinen Rechtsanspruch auf eine Pause vom Job hat. Wer nicht kündigen, sondern auf seine alte Stelle zurückkehren will, sollte also gute Argumente sammeln, um seinen Vorgesetzten von der Notwendigkeit seines Vorhabens zu überzeugen. Dabei darf es nicht darum gehen, was ich selber will, sondern ich muss überlegen, welche Nutzen meine Auszeit für das Unternehmen hat, so Pohl. Der Arbeitgeber hat naturgemäß viele Vorbehalte gegen eine längere Abwesenheit seines Mitarbeiters: Der Betriebsalltag werde gestört, der Kollege hinterlasse eine Lücke, nach einem Jahr sei er völlig raus aus dem Geschehen ... Gegen solche Argumente sollte man Gründe aufführen, die die Vorteile der Auszeit hervor streichen: Überzeugen Sie Ihren Chef, dass Sie anschließend viel motivierter an Ihren Job herangehen als bisher, dass Sie sich neue Horizonte erschließen oder eine neue Sprache lernen wollen - je nachdem, was Sie während Ihres Sabbaticals planen, rät Elke Pohl. Selbst wer nicht in ferne Länder reist, sondern stattdessen häusliche Pflichten erfüllt, wird in dieser Zeit viel lernen: Ein Hausbau oder die Angehörigenpflege erfordert viel Organisationstalent und Durchhaltevermögen - Qualifikationen, die Sie später auch im Job hervorragend anwenden können, so die Autorin.

Die richtige Planung von Beginn bis zur Rückkehr
Nicht nur den Anfang seiner Auszeit sollte man rechtzeitig planen, sondern auch die Rückkehr. Spezielle Sabbatical-Verträge regeln, unter welchen Konditionen man nach der Unterbrechung seine Arbeit wieder aufnimmt. Halten Sie fest, dass Sie auf jeden Fall Anspruch auf Ihren alten Arbeitsplatz haben, empfiehlt Elke Pohl. Ansonsten kann es sein, dass dieser nach Ihrer Rückkehr von jemand anderem besetzt ist. Auch finanziell muss ein Jahr Pause gut geplant sein. Hier gibt es verschiedene Modelle: sei es ein Teilzeitvertrag eine Zeitlang bekommt man weniger ausbezahlt, doch dafür laufen die Gehaltszahlungen während der Auszeit weiter -, der Abbau von Überstunden oder der Verzicht auf Lohnzusatzleistungen.

Nicht nur vertraglich, sondern auch geistig sollte man sich früh genug auf die Rückkehr vorbereiten. Beschäftigen Sie sich nicht erst eine Woche vor Ende der Zeit mit dem Gedanken, so Elke Pohl. Wenn Sie im Ausland sind, fangen Sie zum Beispiel rechtzeitig wieder an, deutsche Zeitungen zu lesen. Auch durch das Bewahren von liebgewonnenen Gewohnheiten kann der bisweilen harte Arbeitsalltag abgemildert werden: Wer eine Sprache gelernt hat, sollte diese weiter verfolgen; wer während des Sabbaticals viel Sport getrieben hat, sollte seine Trainingsstunden fortführen. Wichtig auch: während der Auszeit Kontakt mit den Kollegen halten. Diese sind erfahrungsgemäß erst einmal neidisch, dass Sie den Schritt gewagt haben. Wer mit seinen Kollegen vor und während seiner Abwesenheit offen über seine Ziele spricht, kann auf mehr Verständnis hoffen.

Natürlich kann es nach der Rückkehr auch zu Problemen kommen, etwa weil die Abteilung während der Abwesenheit komplett umstrukturiert wurde oder man bei einer Gehaltssteigerung übergangen wurde. Aber, so Pohl, den persönlichen Gewinn aus dieser Auszeit kann Ihnen niemand mehr nehmen.
 
Von Sabine Olschner