Arbeitsmarkt - Mehr offene Stellen für Ingenieure

Ingenieure können sich freuen. Stärker als andere Berufsgruppen profitieren sie von der gegenwärtigen wirtschaftlichen Erholung. Ergebnis: Im ersten Halbjahr 2006 hat die Zahl der von Unternehmen ausgeschriebenen Stellen für Ingenieure gegenüber dem Vorjahr um rund 44% zugenommen.

Zu diesem Ergebnis kommt die index Internet und Mediaforschung GmbH, Berlin, im Rahmen einer im Auftrag von Jobware durchgeführten Analyse, bei der die von Unternehmen in Zeitungen bzw. im Internet veröffentlichten Anzeigen ausgewertet wurden. Die Zunahme der ausgeschriebenen Ingenieur-Jobs erstreckt sich dabei zwar - annähernd flächendeckend - auf sämtliche Regionen, allerdings unter Fortbestand der erheblichen Gefälle zwischen West und Ost bzw. Süd und Nord.

Ingenieure werden gesucht
Gute Zeiten also für mobile Ingenieure, die Karriere machen wollen. Bezifferte der Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) in Düsseldorf den Ingenieurmangel zum Jahreswechsel noch auf 15.000, besserte er im Frühjahr bereits auf 18.000 freie Stellen nach. "Ingenieure sind am Arbeitsmarkt sehr gefragt", unterstreicht VDI-Direktor Willi Fuchs. Freilich verweist auch der VDI darauf, dass dieser Bedarf eher fleckig auf die Republik verteilt ist.

Dass der Ingenieurbedarf nicht nur regional unterschiedlich ausfalle, sondern auch quer durch Branchen und Unternehmensgrößen ungleich verteilt sei, betont die beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) für Ingenieurfragen zuständige Expertin Susanne Krebs. Vor allem in der Investitionsgüterindustrie würden Ingenieure mit Berufserfahrung und fachübergreifendem Wissen mehr denn je gesucht. Die Unternehmen aus Maschinenbau und Elektrotechnik meldeten zwar wachsende Umsätze, fänden aber kaum ausreichend qualifizierte Mitarbeiter.

Es sind vor allem größere Unternehmen und Konzerne, die derzeit im Arbeitsmarkt stochern. Meist haben sie konjunkturbedingt ein eher taktisches Verhältnis zu ihren Mitarbeitern, trennen sich in Krisenzeiten schneller von ihnen und müssen jetzt wieder Personal aufbauen. "Klein- und Mittelbetriebe sind insoweit "treuer" und halten ihren Bestand an Leistungsträgern soweit möglich auch in der Flaute", erläutert VDMA-Statistikerin Krebs. So seien es im Wesentlichen die Großen, die zurzeit das Niveau der Nachfrage und der gezahlten Gehälter bestimmten. Und beides steige.

Aber auch Ingenieure suchen
Tatsache ist freilich auch, dass viele Ingenieure vergeblich nach Beschäftigung suchen. Obwohl derzeit, wie der VDI berichtet, 20.000 Ingenieure weniger arbeitslos seien als noch im Vorjahr, liege die Zahl mit über 40.000 nach wie vor auf zu hohem Level. Nicht nur das Alter der Bewerber und die mitunter fehlende Bereitschaft zur Mobilität spielen dabei eine Rolle. Auch die immer spezifischeren Tätigkeitsprofile der Unternehmen tragen dazu bei, dass Angebot und Nachfrage sich verfehlen. Bewerber, deren Qualifikation den Anforderungen nicht perfekt entspricht, haben vielerorts keine Chance. Personalabteilungen, die so kompromisslos agieren, werden sich in Zukunft aber möglicherweise auf längere Wartezeiten einrichten müssen. Susanne Krebs vom VDMA erinnert daran: "Einen neuen Ingenieur zu backen, das kostet sechs Jahre."
 
Von Christian Flesch