Arbeitsklima als wichtigster Zukunftsfaktor

Noch überwiegt Hauen und Stechen in der Arbeitswelt. Solange die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht überwunden ist, rettet sich, wer kann - selbst mit unlauteren Mitteln. In Zukunft jedoch werden Unternehmen keine andere Wahl haben, als in ein besseres Arbeitsklima zu investieren, sagen Forscher.

Die deutliche Mehrheit deutscher Führungskräfte sieht noch kein Ende der Krise. Jeder Vierte fürchtet um seinen Job, heißt es in Umfragen. Freilich gibt kaum jemand zu, bereits zu ethisch fragwürdigen Mitteln gegriffen zu haben, um den eigenen Kopf zu retten. Unkollegiale Maßnahmen, die dem Ziel dienen, sich beim Vorgesetzten ins rechte Licht zu rücken und die eigene Karriere voranzutreiben, werden von der großen Mehrheit abgelehnt.

Von einem Klima der Einschüchterung und Angst endlich Abschied zu nehmen, dies fordert auch der Zukunftsforscher und Buchautor Erik Händeler. Er beruft sich auf den russischen Ökonomen Nikolai Kondratieff, nach dessen Thesen Innovationen, Märkte und neue Beschäftigungsmöglichkeiten allein dort entstehen, wo Produktionsfaktoren im Arbeitsleben knapp werden. "Jahrzehntelang hat uns der Computer produktiver gemacht, hat Zeit und Ressourcen eingespart", sagt Händeler.

Die Gesundheit der Arbeitnehmer in den Fokus nehmen
Nachdem einst fehlende Transportmöglichkeiten zur Entwicklung der Eisenbahn geführt hätten, würden nun Personalfragen zum wichtigsten Hebel der Produktivität. Der auf Jahre absehbare Fachkräftemangel lässt grüßen. "Die Unternehmen, die nicht in den Menschen und eine bessere Arbeitskultur investieren, werden vom Markt verschwinden", ist der Zukunftsforscher überzeugt. "Denn sie werden zu hohe Kosten und Personalausgaben haben und ihre Produkte nicht verkaufen können, weil sie zu teuer sind." Der ökonomische Druck zwinge Unternehmen dazu, sich umzustellen.

Dabei rückt laut Händeler die Gesundheit der Beschäftigten immer mehr in den Fokus. Vor allem die seelische Verfassung ihrer Mitarbeiter sollten Unternehmen ernst nehmen. Denn ein schlechtes Arbeitsklima münde allzu häufig in Berufsunfähigkeit und Frühverrentung. Händeler, Partner von Matthias Horx am Zukunftsinstitut in Kelkheim, wird als Keynote-Speaker auf der Stuttgarter Messe "Personal2010" Ende April näher darauf eingehen, wie eine neue Kultur der Zusammenarbeit und der Gesunderhaltung der Mitarbeiter aussehen könnte.
 
Von Max Leonberg