Arbeitgeber-Image als Hürde im Personalmarketing

Wenn es an Fachkräften mangelt, stehen Personaler vor einer Herausforderung. Dass das Problem oftmals im falschen Arbeitgeber-Image zu suchen ist, wollen viele Unternehmen nicht wahrhaben. Neue Wege der Rekrutierung gehen sie jedenfalls nicht.

Geht der Weinvorrat zur Neige, muss man halt ein neues Fass aufmachen. Wird es immer schwieriger, Hochschulabsolventen zu gewinnen, muss man eben andere Zielgruppen ansprechen: Ältere, die bisher von Unternehmen frühzeitig ausgesondert wurden oder Frauen, denen man früher einfach unterstellte, spätestens nach dem ersten Kind nicht mehr sonderlich an einer Karriere interessiert zu sein.

Kaum internationale Rekrutierung
Freilich geht die Rekrutierungspraxis zukunftsorientierter Unternehmen weit darüber hinaus. Man redet nicht nur über die Globalisierung, man nutzt sie auch. Entschlossen gehen Personaler deshalb auch auf internationalen Personalmärkten auf die Pirsch. Dass dies in Deutschland nicht weit verbreitet ist, hat die Personalberatung Robert Half herausgefunden. In ihrer aktuellen Studie "Workplace Survey", die sich auf den Finanzmarkt konzentriert, befragte sie über 6.000 Manager in 17 Ländern. Resultat: Am internationalen Arbeitsmarkt gibt es weniger Austausch von Arbeitskräften als gemeinhin angenommen.

Während sich immerhin jedes vierte nicht-deutsche Unternehmen gezielt um ausländische Kandidaten bemüht, liegt die Quote bei deutschen Firmen bei lediglich 11 Prozent. Personaler rechtfertigen dies mit unzureichenden Sprachkenntnissen von ausländischen Kandidaten; zudem würden viele nicht mit lokalen Begebenheiten klarkommen. Erschwerend komme hinzu, dass Kandidaten ein berufliches Netzwerk fehle und Bürokratie das Verfahren verkompliziere. Personaler raten: Kandidaten sollten sich besser vorbereiten, wenn sie sich für ein deutsches Unternehmen interessierten.

Neue Wege im Personalmarketing
Womöglich sind die Gründe, warum die Rekrutierung auf internationalen Personalmärkten nicht entschlossen genug angepackt wird, anderswo angesiedelt. Personaler wissen das, nur reden sie ungern darüber. Fakt ist, dass es um das Image deutscher Firmen im Ausland nicht gut bestellt ist. Produkte sowie die Qualität der Arbeit sind zwar sehr angesehen, doch dieses hervorragende Image hat sich nicht auf den Ruf des Arbeitgebers übertragen. Dabei dürfte klar sein, dass der Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte auch international weiter zunehmen wird. Wer hier nicht gut aufgestellt ist und sich in den Zielgruppen kein entsprechendes Image erarbeitet hat, dürfte auf lange Sicht abgeschlagen sein.

"Für Unternehmen, die international rekrutieren, ist eine professionelle Darstellung als Arbeitgeber unerlässlich", legt Sven Hennige, Deutschlandchef von Robert Half, die Marschroute fest. Freilich greift es zu kurz, lediglich internationale Stellenanzeigen zu übersetzen und auf der Firmenwebseite für jeden Interessenten zugänglich zu machen, wie Hennige empfiehlt. Davon allein lassen sich die Besten der Besten auf dem weltweiten Markt gewiss nicht gewinnen. Vordenker raten daher zur Risikovariante: Ein vorteilhaftes Image entwickelt allein, wer seinen Mitarbeitern breiten Raum zur Entfaltung eröffnet und sie nicht daran hindert, mit anderen Menschen außerhalb der Unternehmen offen über Erfahrungen zu sprechen, wozu sich das Internet geradezu anbietet. Anders ausgedrückt: Ein Personalmarketing, das unter den Bedingungen von Web 2.0 erfolgreich sein will, muss sein angestammtes Terrain verlassen.
 
Von Max Leonberg