Arbeiten - nein danke

Wer erfahren will, wie man den Job erfolgreich wechselt, kann sich kaum retten vor Ratgeberliteratur. Cornelia Riechers drehte den Spieß um und schrieb das Buch: "So bleiben Sie erfolgreich arbeitslos". An zahlreichen Beispielen zeigt die Karriereberaterin, wie sich Bewerber selbst im Weg stehen. Und der Leser merkt schnell: Solche Fehler könnten ihm auch unterlaufen.

Was muss man tun, damit eine Bewerbung garantiert scheitert? Man verhält sich so, als sei Arbeit die reinste Zumutung. Wie zum Beispiel Werbekauffrau Hildegard W., die weit von der Stadt entfernt lebt und kein Auto hat. Natürlich kommt für sie eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht in Frage. Oder Chemielaborant Bernhard J.: Eine Position mit geregelter Arbeitszeit kann er einfach nicht akzeptieren, weil er seinen Berner Sennenhund mehrmals täglich ausführen muss.

Dem Vorwurf, sich lieber auf die faule Haut zu legen als ihre Energie in eine neue berufliche Aufgabe zu investieren, würde auch Waltraud G. entschieden entgegentreten. Die Pflege ihres riesigen Gartens verschlingt einfach zu viel Zeit. Besonders schlimm erwischt hat es Bernhard Q. Er ist Langschläfer, natürlich von Geburt an und daher nicht mehr therapierbar. Welche Firma würde ihre Arbeitszeitgestaltung schon auf ihn ausrichten?

Sich geschickt um den Job zu drücken, zeichnet auch Diplom-Kauffrau Monika D. aus. Sie selbst würde es freilich anders sehen. Seit sie von einem Konzern entlassen wurde, möchte sie ihre Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand bringen. Aber mit dem PC ihres Gatten kommt sie nicht zurecht. Also wartet sie erst einmal ab und spart, um sich all jene Programme zu kaufen, mit denen sie bei ihrer alten Firma gearbeitet hat.

Vorläufig ohne Aussicht auf eine neue berufliche Perspektive bleibt auch Walter P. In seinen Bewerbungsbriefen räumt er gleich zu Beginn ein, entlassen worden und seither bei der Suche nach neuer Arbeit nicht sonderlich erfolgreich gewesen zu sein. "Ich habe mir nun überlegt, mich bei Ihnen zu bewerben", wendet er sich an den Adressaten, "und bitte Sie, eventuelle Einsatzmöglichkeiten in Ihrem Hause zu prüfen."

Mit grundlegenden Fehlern zur perfekten Anti-Bewerbung
Jeder einzelne Fall lässt den Leser schmunzeln. Riechers erzählt in ihrem Buch "So bleiben Sie erfolgreich arbeitslos" die kleinen Begebenheiten so, als stünde hinter all dem nüchterne Strategie. Tatsächlich unterlaufen den zitierten Bewerbern nur schwerwiegende Fehler, von denen sie selbst gar nichts wissen. Einer lässt seinen Lebenslauf in Leder binden, während der andere sich denkt: Die meisten Bewerbungen werden eh wieder zurückgeschickt. Also reicht es, das Sammelsurium loser Blätter nur mit einer Büroklammer zusammengehalten in den Briefumschlag zu stecken.

Wer immer schon wissen wollte, wie man zielsicher auf die Arbeitslosigkeit zusteuert, findet in Riechers Anleitung zur Anti-Bewerbung reichlich Anregung. Umgekehrt hilft das Buch dank seiner ironischen Zuspitzung jenen auf die Sprünge, die sich noch nicht sicher sind, wie sie ihre Haut denn nun vermarkten sollen. Ihnen hilft die erfrischende Perspektive, von eingefahrenen Verhaltensweisen Abschied zu nehmen. Nicht nur sie sollten sich Riechers Tipps für eine erfolgreiche Arbeitslosigkeit ausführlich zu Herzen nehmen. Wer in Unternehmen dafür Verantwortung trägt, den richtigen Kandidaten kennen zu lernen und für eine berufliche Herausforderung zu gewinnen, sollte das 150 Seiten dicke Taschenbuch ebenfalls unbedingt zur Hand nehmen.
 
Von Winfried Gertz