Arbeit im Ausland wird immer beliebter

Nicht nur junge Leute zeigen sich internationaler orientiert als früher und studieren oder arbeiten gern weitab der Scholle. Auch unter beruflich Arrivierten wächst die Bereitschaft, der Karriere im Ausland einen Kick zu geben.

Steht die Konjunktur auf der Kippe, ziehen es Fach- und Führungskräfte vor, im Land zu bleiben. Herrschen jedoch stabile wirtschaftliche Verhältnisse, steigt die Neigung, die Karriere im Ausland fortzusetzen. Das ist das Ergebnis einer internationalen Befragung von gut 66.000 Fach- und Führungskräften in 40 Ländern. Knapp zwei Drittel sind offen für eine berufliche Etappe im Ausland, heißt es in der Studie von Stepstone und der Intelligence Group. In der Rangliste der begehrtesten Standorte rangieren London, New York, Sydney, Paris und Dubai ganz vorn.

Deutsche Fach- und Führungskräfte sind äußerst reisefreudig
Die internationale Mobilität von Fach- und Führungskräften steigt weiter an. Zeigten sich 2007 rund 60 Prozent an einem Job im Ausland interessiert, nahm diese Quote nunmehr um drei Prozent zu. Besonders reisefreudig scheinen deutsche Fach- und Führungskräfte zu sein. Demnach wollen acht Prozent mehr als 2007 im Ausland durchstarten, das sind 15 Prozent mehr als im internationalen Durchschnitt. Knapp 60 Prozent können sich sogar vorstellen, dass das berufliche Intermezzo fern der Heimat fünf und mehr Jahre dauert.

Die Ergebnisse lassen einen unerwarteten Schluss zu: Wo stabile Verhältnisse herrschen und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) trotz weltweiter Krise nicht einbricht, ist die Mobilität von hoch qualifizierten Arbeitskräften besonders stark ausgeprägt. In wirtschaftlich angeschlagenen Ländern bleiben die Arbeitskräfte eher zu Hause. Hätte es keine Krise gegeben, wäre die internationale Mobilität also noch weit höher ausgefallen, heißt es in der Studie.

Generation Y international heiß begehrt
Ein Beispiel für die These ist die Ukraine, sie verzeichnete 2009 einen Rückgang des BIP von rund 14 Prozent. In dem Land am Schwarzen Meer liegt die Quote der Fachkräfte, die gerne im Ausland arbeiten würden, mit 53 Prozent weit unter dem internationalen Durchschnitt. Anderes Beispiel: Kanada. Vergleichsweise moderat von der Krise betroffen, stehen Fach- und Führungskräfte dort einem Job im Ausland sehr offen gegenüber. Vier von fünf Kanadiern könnten sich eine berufliche Etappe im Ausland gut vorstellen.

Diese Zahlen belegen zugleich, dass das Internet die Jobsuche im internationalen Kontext vorantreibt. Vor allem die mit dem Web aufgewachsenen Millennials im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, auch Generation Y genannt, drängen auf den globalen Arbeitsmarkt. Vor dem Hintergrund des "War for Talent" wollen Unternehmen zunehmend gut ausgebildete Nachwuchskräfte auf internationalen Arbeitsmärkten rekrutieren, beobachten die Studienautoren.
 
Von Max Leonberg