Anspruch auf Teilzeitarbeit - Ist er immer gegeben?

Die Arbeitswelt ändert sich stetig und damit auch die Bedingungen der Arbeitsplätze. Kommt die weitere Lebensplanung wie Familiengründung oder Weiterbildung hinzu, führt dies meist zum Wunsch, die Vollzeitbeschäftigung in eine Teilzeitstelle zu reduzieren. Der rechtliche Anspruch darauf ist jedoch immer wieder Streitthema zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Häufig werden Arbeitsplätze auch auf zwei Teilzeitmitarbeiter im Rahmen des so genannten "job-sharings" aufgeteilt. Oft geht diesem der Wunsch eines Mitarbeiters voraus, seine Arbeitszeit zu verringern. Nach § 8 Abs. 4 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes hat der Arbeitgeber diesem Wunsch zu entsprechen, sofern nicht betriebliche Gründe entgegenstehen. Genau an diesem Punkt scheiden sich aber oft die Geister, die sich dann anschließend vor dem Arbeitsgericht wiederfinden.

Teilbarkeit einer vollen Stelle ist grundsätzlich gegeben
So auch eine als Art Directorin beschäftigte Arbeitnehmerin, die ihre Arbeitszeit auf 20 Stunden verringern wollte. Während der vorausgegangenen Elternzeit der Klägerin hat ihre Arbeitgeberin ihre Aufgaben auf andere Mitarbeiter delegiert und zusätzlich freie Mitarbeiter eingesetzt.

Das Organisationskonzept der Beklagten sieht aber für die Stellung der Art Directorin eine Vollzeitstelle vor. Begründet wird dies damit, dass ein einheitlicher Marktauftritt der Verlagsgruppe der Beklagten nur durch eine für alle einheitlich zuständige Vollzeitkraft zu gewährleisten sei. Dieses Konzept hat das Bundesarbeitsgericht in seinem Urteil vom 13. Oktober 2009 als solches auch nicht beanstandet. Klar war auch, dass es dem Wunsch der Klägerin auf Verringerung der Arbeitszeit entgegen stand.

Zur Abweisung bzw. Zurückverweisung der Klage an das Berufungsgericht hat aber die Tatsache geführt, dass alleine diese Feststellung noch nichts über eine mögliche Teilbarkeit des Arbeitsplatzes aussagt. Die tatsächlich durchgeführte Aufteilung während der zweijährigen Elternzeit wurde als Indiz für eine Teilbarkeit gewertet.

Der Arbeitgeber muss plausible Gründe gegen eine Teilung vorbringen
Nach Ansicht der Richter hätte die Beklagte vortragen müssen, inwieweit das von ihr vertretene Konzept während der Elternzeit tatsächlich beeinträchtigt war. Außerdem hätten mögliche konkrete Störungen, die bei der Fortführung der Teilung entstehen könnten, vorgebracht werden müssen. Das Bundesarbeitsgericht hat mit dieser Entscheidung die Linie seiner Rechtsprechung zur Verringerung der Arbeitszeit fortgeführt.

Für die Arbeitgeber bedeutet dies auch weiterhin, dass das schönste und plausibelste Organisationskonzept, das den Wünschen des Arbeitnehmers deutlich entgegensteht, nichts bringt, wenn eine tatsächliche negative Auswirkung nicht ausreichend vorgebracht werden kann.
 
Von Veronika Raithel