Als Ingenieur beim Dienstleister einsteigen

Wer als Ingenieur die Hochschule verlässt, hat oft einen Anstellungsvertrag in der Tasche. Der Fachkräftemangel ist so groß, dass die Wirtschaft dem Nachwuchs schon auf dem Campus zu Füßen liegt. Vielleicht ist es aber besser, sich zunächst nicht festzulegen.

Jungen Ingenieuren, die nach Jahren des Büffelns endlich die Uni verlassen, bieten sich mehrere Alternativen. Eine besonders interessante ist, bei einem Engineering-Dienstleister unterzuschlüpfen. Vorteil: Man arbeitet für mehrere Firmen, lernt in kürzester Zeit verschiedene Tätigkeitsfelder kennen und muss sich nicht sofort binden. Wie in der Zeitarbeit gibt es auch hier den "Klebeeffekt": Gefällt mir der Einsatzbereich besonders gut und unterbreitet die Firma ein Angebot über eine Festanstellung, kann ich mich ja darauf einlassen. Schließlich ist mir der Arbeitgeber und sein Umfeld nicht neu.

Engineering Services im Trend
Engineering Services sind eine seit Jahren boomende Branche. Nach Angaben der Marktforscher von Lünendonk legte das Marktvolumen zuletzt bei einem durchschnittlichen Zuwachs von jährlich knapp acht Prozent auf 3,67 Milliarden Euro zu. Spitzenreiter sind EDAG in Fulda, Bertrandt in Ehingen sowie IAV in Berlin. Die Top 3 verbuchten allein rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz in 2008.

Besonders zahlreich sind Engineering Services in der Automobilindustrie anzutreffen. Anders als IT-Dienstleister, die sich auf die Prozessberatung konzentrieren, sind Ingenieure in der Produktentwicklung involviert. Sie tüfteln an Innovationen in der Elektronik und entwickeln Embedded Systems, kleine Verbundsysteme voller Leistungsstärke. Anders als in der Zeitarbeit werden Ingenieure, die beim Dienstleister angestellt sind und im Rahmen von Werkverträgen in Kundenunternehmen arbeiten, gut bezahlt. "Teamleiter und erfahrene Ingenieure verdienen sogar besser als ihre Kollegen, die beim Kundenunternehmen angestellt sind", so Lünendonk-Berater Hartmut Lüerßen.

Glänzende Perspektiven
Freilich geht die konjunkturelle Talfahrt an der erfolgsverwöhnten Engineering-Branche nicht vorbei. Die Top 25 rechnen nach Angaben von Lüerßen für 2009 mit einem Umsatzrückgang von 6,2 Prozent. Dies werde von einer Konsolidierung der Branche flankiert, die seit Jahren überfällig sei. Es seien einfach zu viele Anbieter in diesem Markt. Wer die Flaute überstehen wolle, argumentiert der Berater, müssen möglichst schnell in neue Kundenmärkte ausweichen und vor allem seine händeringend umworbenen Fachkräfte bei der Stange halten. "Man überlegt sich dreimal, einen Ingenieur vor die Tür zu setzen", so Lüerßen.

Doch die Aussichten der meisten Anbieter bleiben äußerst positiv. Schon heute arbeiten die Fachleute an Systemen, die erst in einigen Jahren marktreif sind. Ehe beispielsweise ein neues Automodell in den Showroom gerollt wird, haben Ingenieure und Konstrukteure jahrelang daran getüftelt. Obwohl die Automobilindustrie mit ihren Zulieferern derzeit in der Klemme steckt, hat sie laut Lünendonk einen großen Nachholbedarf an modernen, umweltschonenden Antriebskonzepten.

Der Innovationsdruck ist gewaltig. Engineering Services werden deshalb nicht nur in der Automobilindustrie schnell wieder an das alte Wachstumsniveau anknüpfen, gibt sich Lüerßen optimistisch. Zwischen 2009 und 2014 soll der Markt erneut um etwa 9 Prozent pro Jahr zulegen.
 
Von Winfried Gertz