Ältere Arbeitnehmer nach wie vor schlecht angesehen

Das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) nahm 1.350 Geschäftsführer, Personalleiter und Unternehmer ins Gebet. Ergebnis: Jeder vierte Entscheidungsträger hält nicht viel von seinen älteren Mitarbeitern.

Trotz der demografischen Entwicklung, die Unternehmen zwingt, sich stärker um ihre älteren Beschäftigten zu kümmern, überwiegen weiterhin Vorurteile. Jeder vierte Manager gibt an, ältere Mitarbeiter legten weniger Leistungsbereitschaft an den Tag. Ebenso viele sind der Meinung, Ältere könnten beim Arbeitstempo nicht mehr mithalten.

Unausrottbare Vorurteile
Damit nicht genug: Jeder vierte Manager glaubt, ältere Beschäftigte hätten keine Lust mehr, sich voll einzubringen. 27 Prozent sind der Ansicht, der älteren Generation in den Betrieben mangele es an Ideenreichtum und Engagement, weil sie sich keine Mühe mehr geben, ihr Wissen aufzufrischen. Immerhin 35 Prozent denken, ältere Kollegen würden resignieren, weil man sie nicht mehr fördere. Umgekehrt meint jeder vierte Befragte, Weiterbildung lohne sich nicht für Ältere. Und 44 Prozent vermuten, dass ältere Beschäftigte länger krankfeiern, wenn sie gesundheitlich angeschlagen sind.

Die Lebenserwartung steigt, und viele Deutsche müssen sich darauf einstellen, länger zu arbeiten. Doch diese Erkenntnis scheint in der Wirtschaft noch nicht angekommen zu sein. Dabei sprechen die jüngsten statistischen Daten eine deutliche Sprache: Der Anteil der älteren Arbeitnehmer steigt, inzwischen sind 40 Prozent der Bevölkerung 50 oder älter. Strategisch täten Firmen gut daran, gerade jetzt in die alternden Belegschaften zu investieren.

Wie Alt und Jung voneinander profitieren
Löblich, dass laut IW bereits zwei von drei Industriefirmen personalpolitisch gegensteuern und konkrete Maßnahmen für ältere Mitarbeiter ergreifen. Dazu zählen auch altersgemischte Teams, die immerhin in 56 Prozent der Firmen zu finden sind. Junge lernen von der Erfahrung ihrer älteren Kollegen, die wiederum vom neuesten Fachwissen des Nachwuchses profitieren.

Ebenfalls rät das IW dazu, ältere Beschäftigte als Trainer, Ausbilder und Berater einzusetzen, wie bereits in jedem dritten Betrieb praktiziert. Etwa 28 Prozent würden ältere Mitarbeiter in Projekten im In- und Ausland einsetzen, um von ihrem betrieblichen Erfahrungswissen sowie ihrer Lebenserfahrung zu profitieren. Auch in der Frage, wie man mit unvorhersehbaren Situationen umgehe, seien ältere ihren jüngeren Kollegen weit überlegen. Es gibt also Anlass genug, endlich von Vorurteilen Abschied zu nehmen.
 
Von Josef Bierbrodt